Freitag, 6. Juni 2014

Sind QR-Codes schon wieder out?

Wenn man einer Diskussion in LinkedIn glauben mag, dann ja.

Innerhalb von zwei Tagen reagierten 79 LinkedIn Mitglieder auf diese Frage; der überwiegende Teil der Antworten zeichnet ein negatives Bild bezüglich QR-Codes. Wie so oft bei LinkedIn, wird die Gruppe dominiert von Teilnehmern aus den U.S.A. und UK, Märkte die dem deutschen nicht selten Monate oder gar Jahre voraus sind. Das sollte man bedenken und die folgenden Gründe entsprechend interpretieren:


Die zunehmende Nutzung von URL-Shortenern und das allgemeine Bestreben kurze - und deshalb merkbare - URL's zu verwenden, macht QR-Codes überflüssig.

Es gibt bessere Alternativen zu QR-Codes, wie z.B. Near-Field-Communication (NFC), eine in immer mehr Smartphones integrierte Funk-basierte Technologie.

QR-Codes sind hässlich, was sicher mit ein Grund war, warum die grundsätzliche Idee, ein Bild bzw. Foto mit einem Link zu verbinden, verbessert wurde: Inzwischen gibt es Technologien, die nicht mehr auf die pixelige Visualisierung angewiesen sind; man Fotografiert einfach nur irgendwas - zum Beispiel eine Seite in einem Magazin -; dieses Foto wird in Sekundenbruchteilen analysiert und man gelangt zu einer Website. Ein Anbieter einer solchen Lösung ist DeepView. Inzwischen gibt es derer einige, von denen viele aus dem Bereich der Augmented Reality stammen, wo eine zuverlässige und schnelle Bilderkennung eine zwingende Voraussetzung ist. Ein Beispiel hierfür ist Metaio.

Ein weiterer Nachteil, der auch auf die oben genannten Folgetechnologien zutrifft: Man braucht eine spezielle App dafür - QR-Codes haben es nicht in die nativen, schon auf dem Gerät installierten Kamera-Apps geschafft.

Ein weiterer Grund war die oft mäßig sinnvolle Nutzung von QR-Codes. Klar, das kennen wir alle. Es gab ein paar Monate (vielleicht auch mehr), da musste auf quasi jede Nicht-Online-Kommunikationsmaßnahme ein QR-Code drauf. Das was Hip - und hat zu diversen Stilblüten geführt. Ohne Mobile-Strategie, ohne eine Mobile-optimierte Website, ohne durchdachtes Customer-Experience-Management war die Zielgruppe dann jedoch schnell verärgert und ließ QR-Codes links liegen.

Dennoch sind sie nicht ganz von der Bildfläche verschwunden: PowaTag, ein Startup aus UK, welches kürzlich knapp 100M US$ Kapital eingesammelt hat, nutzt unter anderem QR-Codes, um damit eine Art 1-Klick-Kauf für den Handel zu realisieren - inklusive Zahlungsabwicklung! Amazon verfolgt mit der App Flow in den U.S.A. ein ähnliches Konzept - wobei der Umsatz natürlich direkt in die Kassen von Amazon und nicht in den Handel fließt.

Fazit:

Im Mobile-Commerce spielen QR-Codes durchaus eine gewichtige Rolle, beim US Handleskonzern Macy's sollen Sie sogar ein zentraler Baustein des Marketing-Mix' sein - ich glaube jedoch, dass QR-Codes auch hier mittelfristig durch andere technische Lösungen abgelöst werden. Als allgemein akzeptierte Brücke zwischen der Offline- und der Online-Welt, konnten sie sich nicht durchsetzen.